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Antwort der CDU-Fraktion Karlsruhe

Juni 2, 2009

Viel blabla, nichts handfestes. Vieles davon war schon auf abgeordnetenwatch.de zu lesen. Im Prinzip steht da nichts, was von Seiten der CDU nicht auch schon vorher zu hoeren war, und genauso wenig wie vorher wird es in irgendeiner Weise mit Argumenten abseits von – wir sind der Meinung, dass – bekraeftigt. (Zumindest ein  paar Links zu Studien, wie sie die Gruenen mitgegeben haben waeren ja nett gewesen…) (Zum offenen Brief)

Sehr geehrter Herr Bruckner,

besten Dank für Ihre Email vom 26.05.09.

Wie Sie sicher bereits wissen, hat Turtle Entertainment am 26. Mai 2009 die für den 5. Juni 2009 in Karlsruhe geplante Veranstaltung abgesagt. CDU-Fraktion und CDU-Kreisverband Karlsruhe-Stadt sind hierüber sehr erleichtert. Wir hatten uns klar und eindeutig für eine Absage der Intel Friday Night Games eingesetzt. Dies deshalb, weil dort insbesondere „Counterstrike“ gespielt worden wäre und der Veranstalter nicht zu einem Verzicht auf dieses Spiel bereit war. Auf unseren Antrag hin war für den 26. Mai daher bereits eine Sondersitzung des Gemeinderats terminiert, in der dieser über eine entsprechende Gesellschafterweisung an die KMK entscheiden sollte. Wir freuen uns, dass dieses von uns geforderte Ergebnis nun in Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Veranstalter im Vorfeld noch erreicht werden konnte.

Mit dem Werteverständnis der CDU sind Spiele, bei denen es darum geht, möglichst viel zu töten, nicht vereinbar. Spiele, die zu Gewalt, menschenverachtenden Handlungen und  Brutalität anleiten, widersprechen unserer christlichen Grundhaltung. Kritiker der Veranstaltungsabsage unterstellen, man hätte sich nicht ausreichend über die Art und Weise und den Ablauf derartiger Veranstaltungen informiert. Wir haben uns jedoch ein umfassendes Bild gemacht. Auf Informationen kann man beispielsweise unter www.youtube.de zugreifen. Auch deshalb wissen wir, dass es bei „Counterstrike“ darum geht, möglichst viele Gegner möglichst schnell auszuschalten, was sehr „effektiv“ mit Kopfschüssen gelingt. „Erfolgreiche“ Tötungen werden positiv kommentiert und vom Publikum bejubelt. Ist dies tatsächlich noch rein „sportlicher Wettkampf“? Erwiesenermaßen können solche Spiele bzw. deren regelmäßiger Konsum Auswirkungen auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen und insbesondere deren Gewaltbereitschaft haben. Darüber hinaus wird oftmals das Suchtpotenzial unterschätzt. Das Bestreben, über solche PC-Spiele gewisse Erfolgserlebnisse, die Betroffene im „normalen“ Alltag nicht erfahren, herbei zu führen, kann gravierende Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung haben und zugleich zur Abhängigkeit führen. Und gerade weil es Möglichkeiten gibt, sich die Spiele aus dem Internet herunterzuladen oder sich während entsprechender Veranstaltungen vom eigenen PC aus einzuloggen, genügt es nicht, Spiele erst ab einem gewissen Alter frei zu geben.

Darf nun eine Kommune, darf der Gemeinderat, der Verantwortung für das Zusammenleben in der Stadt trägt, einer solchen Veranstaltung eine Plattform bieten und eine städtische Halle hierfür zur Verfügung stellen? Wir meinen „nein“. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Winnenden dürfen wir nicht so weitermachen wir bisher, sondern müssen sensibel sein für Entwicklungen in unserer Gesellschaft hin zu Verrohungen. Selbstverständlich ist uns klar, dass wahrscheinlich die ganz überwiegende Zahl der Teilnehmer entsprechender Veranstaltungen mit den Spielen verantwortungsbewusst umgehen kann. Jedoch muss dies vor allem nicht für die erwarteten (jüngeren) Zuschauer gelten.  eranstaltungen wie die Intel Friday Night Games tragen dazu bei, dass „Killerspiele“ hoffähig werden und deren Spielen verharmlost wird. Insofern müssen sich nicht nur die Eltern, sondern es muss sich auch der Staat, muss sich auch die Politik ihrer Verantwortung stellen und verhindern, dass Minderjährige problemlos auf solche Spiele zugreifen können. Hierzu gehört sicherlich auch, die rechtlichen Grundlagen für ein Verbot von Killerspielen oder von Veranstaltungen, bei denen diese Action- oder Shooter-Spiele gespielt werden, zu schaffen.

Zudem ist dringend Aufklärung geboten, weshalb die öffentliche Diskussion und objektive Information von uns nach wie vor sehr begrüßt werden. Im Vorfeld der Veranstaltung vom 5. Juni wäre eine ausreichende Aufklärung – trotz gegenteiliger Aussagen – gerade nicht gewährleistet gewesen. Und selbstverständlich kann die notwendige Aufklärung auch erfolgen, ohne dass kurz darauf eine solche „Killerspiel-Party“ tatsächlich durchgeführt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Luczak-Schwarz, Ingo Wellenreuther MdB

Fraktionsvorsitzende, Kreisvorsitzender