Offener Brief an die CDU-Fraktion Karlsruhe

Ja, er ist drastisch. Ja, er enthaelt wahrscheinlich auch ein paar Rechtschreibfehler. Fuer den Anlass: Stigma

Sehr geehrte CDU-Fraktion,

ich habe die letzten Wochen die Debatte um die Veranstaltung der IFNG in Karlsruhe verfolgt (und im Laufe dessen auch schon einen offenen Brief an die Fraktion der Grünen geschickt [1]). Heute habe ich nun erfahren das die ESL dem öffentlichen Druck nachgegeben hat. Öffentlicher Druck der zu einem gehörigen Teil sowohl direkt von Fraktion ausging, als auch indirekt durch Aufhetzung der Bevölkerung über Pressemitteilungen erzeugt wurde.
So hieß es in der Pressemitteilung vom 19.05.09:

„Aufgrund ihres gewaltverherrlichenden, menschenverachtenden und brutalen Charakters können solche Spiele Jugendliche zu mehr Gewalt veranlassen“

Das ist eine Theorie. Man beachte: „Theorie“. So wie sie es hinstellen kommt es beim uninformierten Bürger jedoch an, als sei es eine Tatsache. Es gibt genügend Theorien die Besagen das es keinen Anstieg der Gewaltbereichtschaft durch den Konsum von gewalthaltigen Spielen gibt, oder dass eben dieser nicht höher ist als etwa beim Konsum von Fernsehen. (Ich zitiere an dieser Stelle oft [5])

Am 12.05.09 veröffentlichten sie:

„Mit dem Werteverständnis der CDU sind Spiele, bei denen es darum geht, möglichst viel und möglichst grausam zu morden, nicht vereinbar.“

Hätten sie sich informiert, wüssten sie das es „solche“ Spiele in Deutschland überhaupt nicht zu kaufen gibt (ich bezweifle sogar ihre Existenz an sich. Mir zumindest ist Keines bekannt). Wahrscheinlich wurden ihnen Szenen aus dem Spiel Counter-Strike gezeigt. Bei denen ein Spieler auf den virtuellen Charakter eines anderen Spielers schiesst. Solche Szene kann ich ihnen auch aus dem Sonntags Abend Tatort zurechtschneiden. Bei Counter-Strike fließt nämlich auch nicht mehr Blut [2], andere Shooter werden (meines Wissens nach) nicht gespielt.

„Spiele, die zu Gewalt, menschenverachtenden Handlungen und Brutalität anleiten, widersprechen eindeutig unserer christlichen Grundhaltung.“

Wieder gilt: Mir ist kein derartiges Spiel bekannt. Und wenn sie unbedingt auf christliche Grundhaltung zu sprechen kommen wollen. Schliessen sie doch gleich alle Homosexuellenclubs in Karlsruhe. Die sind nämlich gar nicht christlich…

Sie haben sich in den letzten Wochen eher wie eine Bande kleiner Kinder aufgeführt denn als Politiker. „Ich will das nicht, das muss weg“. Dabei haben sie dann so lange gequengelt bis sie tatsächlich ihren Willen bekommen haben.
Sie haben in ihrer Funktion als Politiker nicht etwa dem Volk gedient, sondern durch bewusste Verbreitung von Halbwahrheiten (siehe kontra-Studien) das Volk in Richtung ihres eigenen Willen gelenkt. Eine Solche Situation hatten wir das letzte mal vor etwa 70 Jahren. Und es ergibt ein trauriges Bild der CDU.
Seit 7 Jahren gibt es nun die ESL in Deutschland, seit 7 Jahren spielen sie auf ihren Veranstaltungen unter anderem Counter-Strike und 7 Jahre lang hat sich niemand beschwert. Es hatte auch niemand einen Grund dazu, denn die Teilnehmer tun niemandem was. Wie sagte ein Herr vom Offenbacher Jugendamt nach seinem Besuch bei einem solchen Turnier so schön: „Ein Rapkonzert wirkt aggressiver“. [6]
Nun, etwa 2 Monate nach Winnenden meinen einige Politiker den tragischen Vorfall auf abstossendste Art und Weise ausschlachten zu müssen. Um ihre eigenen „Wertvorstellungen“ zu schützen und endlich diese bösen „Killerspiele“ loszuwerden. (Das letzte Mal das Tim K. eines dieser Spiele spielte war übrigens 3 (in Worten: Drei) Tage vor seiner Tat [3]).
Dabei scheinen Millionen deutscher Spieler kein Problem damit zu haben, virtuelles Spiel und Realitaet zu unterscheiden und dementsprechend auch keine moralische oder ethische Fragwürdigkeit in dem Konsum eines Spiels zu sehen.
Aber Danke, dass sie Deutschland mit dieser Aktion mal wieder um ein Stückchen Freiheit beraubt haben. Vielleicht müssen wir (die Spieler) ja im nächsten Jahr schon alle Armbinden tragen. Dann läuft zumindest kein unbescholtener Bürger Gefahr, in der Fußgängerzone einen potentiellen Amokläufer anzurempeln.
‚Nen Versuch wär’s zumindest wert, oder?

Dieser Brief, sowie eine eventuelle Antwort wird auf meinem Blog [4] veröffentlicht werden. Zudem geht eine Kopie an den Karlsuher Kurier, das INKA-Stadtmagazin sowie die BNN (was diese damit machen, überlasse ich ganz ihnen).

Mit … Grü/ß/en,
Roman Bruckner
https://killerspieldebatte.wordpress.com//

[1] https://killerspieldebatte.wordpress.com/2009/05/12/offener-brief-an-die-gruenen-karlsruhe/
[2] http://www.schnittberichte.com/schnittbericht.php?ID=3714
[3] http://www.polizei-waiblingen.de/servlet/PB/menu/1288753/index.html?ROOT=1122864
[4] https://killerspieldebatte.wordpress.com
[5] http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6WKR-4VP177M-1&_user=10&_rdoc=1&_fmt=&_orig=search&_sort=d&view=c&_acct=C000050221&_version=1&_urlVersion=0&_userid=10&md5=e09f8f820e2e64d896c63a21c17cb89d
[6] http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,619790,00.html

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9 Antworten to “Offener Brief an die CDU-Fraktion Karlsruhe”

  1. Anonymous Says:

    […] […]

  2. Booomboy Says:

    „(was diese damit machen, überlasse ich ganz ihnen).“
    ich würde zumindest darauf bestehen, dass die zeitungen nur den ganzen brief in seiner vollen länge und ohne daran änderungen vorzunehmen in ihren zeitungen veröffentlichen dürfen, sonst kommt sowas dabei raus, was einst bei frontal21 der fall war : der kontex wurde auseinander genommen.

    • Roman Says:

      An und fuer sich ein gutes Argument. Aber ich gehe eigentlich eh nicht davon aus, dass sie irgendwas davon drucken.

  3. Riehn Markus Says:

    Ich wünsche mir das die Politik langsam aber sicher den Sprung über die IQ-Marke von 40 hinweg schafft und endlich die Augen öffnet für die Dinge in unserem Land die wirklich schuld sind an Amokläufen und Menschen ohne Zukunfts-Chancen!!!

  4. Tom Says:

    Kaum zu glauben, was die unwissenden Politiker da abziehen. Ich hatte mich auf die IFNG gefreut, vor allen Dingen da ich seit einem jahr auch bei der Eltern LAN aktiv dabei bin und, ein besonderer Umstand, ich aus Winnenden komme und gegenüber der Schule wohne. Ich war einer der ersten am Tatort, und wir alle haben das hier live miterlebt. Trotzdem weiß ich, das Counterstrike nichts damit zu tun hat. ich spiele CS schon ewig lange und es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, als Betoffener und gleichzeitig CS Spieler dort Fragen beantworten zu können. Bei bisher allen Eltern-LANs sind alle Eltern mit Vorurteilen gekommen und aufgeklärt nach Hause gefahren. Keiner hat nach dieser Veranstaltung gedacht, das jemand nur aufgrund dieses Spiels mit einer echten Waffe Leute umbringen würde.

    Ich weiß auf jeden Fall, das ich nun mit Sicherheit nicht mehr CDU wählen werde und es gibt eine Menge Leute, die dies ebenfalls nicht mehr tun werden. Sehr schade, denn CS Spieler sind auch Wähler und die jüngenren potentielle Wähler und keine Kriminellen. Aber darüber denkt wohl in der CDU und SPD keiner nach. Die Quittung werden sie in Kürze bekommen.

    • Roman Says:

      Schoen waer’s natuerlich, wenn sie eine Quittung bekaemen. Leider glaub ich da nicht dran. Gerade unter den teilen der Bevoelkerung, die sich mit dem Thema bisher wenig bis gar nicht auseinandergesetzt haben hat die CDU (und einem Kommentar im 4Players forum zu folge auch die BNN) bewusst falschinformationen verbreitet und so eine gewisse Angst unter der Bevoelkerung vor den so genannten anrueckenden „Killerspielern“ gesaeht.
      Mit der Absage stehen sie gegenueber eben diesen Leuten nun leider als Helden da, was sich (wie ich befuerchte) wohl eher positiv denn negativ auf die Wahlen auswirken wird.

  5. Karlsruhe: Eine statt geniert sich « Killerspieldebatte Says:

    […] Killerspieldebatte Reaktionen und Eindruecke zum Medienrummel « Offener Brief an die CDU-Fraktion Karlsruhe […]

  6. Antwort der CDU-Fraktion Karlsruhe « Killerspieldebatte Says:

    […] Antwort der CDU-Fraktion Karlsruhe By Roman Viel blabla, nichts handfestes. Vieles davon war schon auf abgeordnetenwatch.de zu lesen. Im Prinzip steht da nichts, was von Seiten der CDU nicht auch schon vorher zu hoeren war, und genauso wenig wie vorher wird es in irgendeiner Weise mit Argumenten abseits von – wir sind der Meinung, dass – bekraeftigt. (Zumindest ein  paar Links zu Studien, wie sie die Gruenen mitgegeben haben waeren ja nett gewesen…) (Zum offenen Brief) […]

  7. Bierman Says:

    “Spiele, die zu Gewalt, menschenverachtenden Handlungen und Brutalität anleiten, widersprechen eindeutig unserer christlichen Grundhaltung.”

    Das ist sowieso dumm , da man nicht auf Grund von Religiösen Haltungen etwas verbieten kann , da das gegen die Grundgesetze verstösst

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