Antwort der Gruenen

Heute kam die Antwort zu meinem kuerzlich verfassten offenen Brief. Ich bin positiv ueberrascht, dass das so schnell ging. Und auch der Brief an sich gefiel mir sehr gut. Zwar bin ich nicht unbedingt ihrer Meinung und halte ein, zwei Positionen auch fuer unfundiert. Dennoch bin ich mit dem Grundton der Antwort eigentlich zufrieden, und moechte das dementsprechend einfach unkommentiert hier praesentieren.

Sehr geehrter Herr Bruckner,
und, da wir wissen, dass dieses Schreiben auch veröffentlicht wird: liebe “Killer”spielgemeinde, liebe interessierte LeserInnen,

vorab: einige der Formulierungen in unserer Pressemitteilung waren womöglich wirklich etwas unglücklich gewählt. Uns war und ist vor allem an zwei Dingen gelegen: Wir möchten uns nicht einfach vom OB mit vereinnahmen lassen, in dem er so tut, als hätten wir Ihren ESL-Spieltag einfach so mitgenehmigt – so war es nicht. Zweitens ist uns tatsächlich an einer kritischen Auseinandersetzung mit der Thematik und Problematik der sogenannten “Killerspiele” gelegen. Denn es gibt auch bei den GRÜNEN Befürworter wie Sie und andere, aber auch Menschen, die solche Spiele am liebsten verbieten wollen und wieder andere, die eine differenzierte oder auch gar keine Meinung dazu haben – auch das gibt es.

Wir sind uns bewusst, dass die Problematik sehr kontrovers diskutiert wird. Leider auch oft viel zu emotional. Sie und wir wissen, dass Counter Strike und andere Spiele in der legalisierten Version in Deutschland durchaus sehr einfach auf Versionen zu patchen sind, die hier keine Spielfreigabe bekommen würden. Insofern ist, eng gesehen, die Freigabe durch die Bundesprüfstelle durchaus kritisch zu sehen. Ob es tatsächlich einen Unterschied macht, ob Blut rot statt gelb ist oder virtuelle Köpfe auch explodieren können, sei dahingestellt – für die Prüfstelle ist es offensichtlich ein Entscheidungskriterium. Über die Definition von “gewaltverherrlichend” gibt es wenige Diskussionen, ob ein Spiel, dessen Ziel vor allem durch virtuelle Gewaltausübung erreicht werden kann, so bezeichnet wird, liegt dann aber oft genug im Auge des Betrachters. Viele unserer Mitglieder sind Pazifisten oder haben zumindest einen kritischen Blick auf Militär und den Einsatz militärischer Gewalt. Und obwohl es üblich ist, bei jungen Menschen Spiele wie Counter Strike, Call of Duty (der Titel ruft schon bestimmte Assoziationen hervor), oder Warcraft vorzufinden, so mögen wir uns als Partei nicht damit abfinden, dass es normal ist, Spiele, die militärische oder paramilitärische Kampfhandlungen abbilden, zu spielen. Wir können in den Nachrichten tagtäglich verfolgen, wie schrecklich und verheerend solche Kampfhandlungen überall auf der Welt sind – vor allem für die meist eigentlich unbeteiligte Zivilbevölkerung. Krieg zu spielen, verharmlost diesen in unseren Augen. Andererseits ist eine generell abwertende Verteufelung auch nicht angebracht.Es gibt eine riesige Spielergemeinde weltweit. Mit einem einfachen “weg damit” kommen wir da nicht weiter. Bisher fehlt ein breit angelegter Dialog, der die ganze Fülle von Bedenken und Ängsten, von Gründen für die Faszination dieser und anderer Computerspiele wie auch den Stellenwert im Lebensalltag überwiegend junger Menschen umfasst. Hierzu gehört auch die kritische Betrachtung gesellschaftlicher und familiärer Zustände, die einen
einseitigen, übermäßigen Konsum auch von PC-Spielen – Stichwort Spiele- oder PC-Sucht – mit den zu befürchtenden negativen Folgen befördern und die es zu ändern gilt . Diesen Dialog wollen wir, jenseits von aktuellem Wahlkampfgetöse, dauerhaft vorantreiben. Als Partei sind wir ebenfalls der gesellschaftliche Vorsorge verpflichtet.

Wir suchen die Debatte darüber, weil wir negative Auswirkungen auf Menschen, die diese Spiele regelmäßig spielen, befürchten, z. B. aufgrund der kanadischen Studie zur Auswirkung von Fernsehkonsum (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MEDIEN/FernsehenGewalt.shtml) –obwohl bei Fernsehen nur passiv Gewalt konsumiert wird. Der Ich-Bezug als Gewaltausübender bei Ego-Shootern lässt daher schon abstumpfende oder gewaltfördernde Folgen vermuten. Allerdings gibt es dazu sehr unterschiedliche Studien und Aussagen von Spielern, Hirnforschern und anderen Fachleuten. Insofern sind wir als politische Partei und auch als Gemeinderatsfraktion gehalten, auf der Basis von Informationen Entscheidungen zu treffen. Ein Fachgespräch war vor unserer Entscheidung in Bezug auf die Veranstaltung in Karlsruhe nicht mehr möglich, wir haben uns vorsorglich dafür entschieden, die Veranstaltung in der Form abzulehnen. (Sie dürfen sicher sein, wäre es alleine um die FIFA-Spiele gegangen, die ja auch Teil der ESL sind, hätten wir freudig zugestimmt). Wir betonen aber, dass wir in der Planung für eine Diskussionsveranstaltung sind, bei der nicht nur ablehnende Stimmen zu Wort kommen sollen. Dazu sind Sie heute schon herzlich eingeladen.

Für Kreisvorstand und Gemeinderatsfraktion Bündnis90/Die GRÜNEN Karlsruhe

Jörg Rupp Bettina Lisbach Anne Segor

Bündnis 90 / DIE GRÜNEN
Gemeinderatsfraktion
Hebelstraße 13 – 76133 Karlsruhe
Tel. 0721/ 29155 – Fax. 0721/ 29156
www1.karlsruhe.de/Gemeinderat/Gruene-Fraktion

Nachtrag: Ok, offenbar ein Standardschreiben. Keine Ahnung ob man ihnen da einen Vorwurf machen kann, haengt davon ab, wieviele schreiben sie bekommen haben.

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8 Antworten to “Antwort der Gruenen”

  1. Offener Brief an die Gruenen, Karlsruhe « Killerspieldebatte Says:

    […] Antwort der Gruenen « Killerspieldebatte sagt: Mai 18, 2009 um 18:13 | Antworten […]

  2. aphex3k Says:

    Die von mir zitierte Textstelle ist aus dem Schreiben entfernt worden.

  3. Blog GRÜN-(P)PUR » Offene und Auseinandersetzung zum Thema “Killer”-Spiele Says:

    […] als Antwort auf den offenen Brief eines […]

  4. Spieler verteufeln, Waffen erlauben? Gewaltprävention geht anders! - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org Says:

    […] Es gab und gibt auch Grüne, die Bedenken gegen diese Spiele haben, vor allem aber gibt es dazu mehrere Positionen, auch bei Grünen. Ich habe meine Position dazu in einer Erwiderung auf die “Jungen Piraten” geschrieben, […]

  5. Antwort der CDU-Fraktion Karlsruhe « Killerspieldebatte Says:

    […] wir sind der Meinung, dass – bekraeftigt. (Zumindest ein  paar Links zu Studien, wie sie die Gruenen mitgegeben haben waeren ja nett gewesen…) (Zum offenen […]

  6. GRÜN WIRKT » Spieler verteufeln, Waffen erlauben? Gewaltprävention geht anders Says:

    […] ein Spieleabend in Karlsruhe, konkret die Intel Friday Night Games IFNG, die Bundesliga des ESports. Es gab und gibt auch Grüne, die Bedenken gegen diese Spiele haben, vor allem aber gibt es dazu mehrere Positionen, auch bei Grünen. Ich habe meine Position dazu in […]

  7. Franz Says:

    Die Grünen machen wieder einen auf Pazifismus. Ihr damalige Guru Joschka Fischer unterstützte maßgeblich die deutsche Beteiligung am völkerrechtlich umstrittenen Kosovokrieg. Dadurch waren seit dem 2.Weltkrieg deutsche Soldaten wieder an einem Krieg beteilit.

  8. Knut Baganz Says:

    Meine Antwort an die Karlsruher Grünen:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    zur Information:
    “Das 12er-Gremium der Bundesprüfstelle hat in der Sitzung am 16. Mai 2002 folgende Entscheidung getroffen: Das Computerspiel “Counter-Strike” wird nicht in die Liste der jugendgefährdenden Schriften aufgenommen.”
    Begründung: BPjS Aktuell 3/2002 S. 11-18

    Sollten Sie unbedingt mal lesen, bevor Sie über etwas urteilen, wovon Sie nur in der Zeitung gelesen haben.

    Ich schäme mich dafür, was Sie im Namen der Grünen gefordert haben.
    Mit dem Einstehen für Freiheit, Bürgerrechte und Demokratie hat Ihre Forderung gar nichts zu tun.

    MfG Knut

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