Offener Brief an die Gruenen, Karlsruhe

Die Haltung der Gruenen zur Friday Night Game in Karlsruhe (Artikel) hat mich mal wieder veranlasst, einen offenen Brief zu verfassen, hoffe diesmal alle Rechtschreibfehler gefunden zu haben, und Umlaute gibt’s auch 🙂

Sehr geehrte Parteiangehörige,

am 12.05.2009 erschien auf ka-news.de ein Artikel [1] über ihre Position zur am 05.06.2009 stattfindenden Friday Night Game in Karlsruhe. Dort heisst es über die Partei:

„Deshalb halten die Grünen eine auf Dauer angelegte kritische öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Killerspiele für notwendig.“

Der Artikel und die darin vorkommenden Zitate zeigen jedoch keine „kritische“ Auseindandersetzung mit dem Thema. Vielmehr enthält er halbwahrheiten und rechtfertigt ein Verbot der Friday Night Game durch eigene Meinungen. Um mal genauer auf ein paar der vorkommenden Zitate einzugehen:

„Spiele wie Counter Strike verherrlichen Gewalt…“

Das sieht die Bpjs scheinbar anders. Denn gewaltverherrlichenden Medien sind nach Paragraph 131 StGB in Deutschland bereits seit langem Verboten. Das Spiel Counter-Strike hingegen wurde von der USK mit einer „ab 16“ Plakette versehen und 2002 ein Indizierungsantrag abgelehnt [8].
In Counter-Strike wird Gewalt in keinster Weise verherrlicht. In dem Spiel wird zwar auf virtuelle Menschen geschossen. Das ist aber nichts, was nicht auch in Filmen wie etwa der James Bond Reihe, oder auch dem Tatort geschieht. Unter Gewaltverherrlichung versteht man etwas anderes.

„…und verletzen die Würde der Menschen.“

Auch hier gilt, dass wenn dies wirklich der Fall wäre, das Spiel nach Paragraph 131 StGB bereits verboten wäre. Die Spielfiguren in Counter-Strike sind keinen realen Person nachempfunden (zumindest nicht nach meinem Wissensstand, wenn sie es wären, dann sicherlich mit Einwilligung von eben jenen). Somit frage ich sie, wessen Würde denn verletzt wird, wenn der Spieler auf Fantasiefiguren schiesst?

„Sie können bei exzessivem Gebrauch abstumpfen und bergen dann ein enormes Gefahrenpotential.“

Beide Aussagen sind sehr umstritten. Letztere lässt sich sehr leicht durch statistische Methodik hinterfragen: Wenn das Spiel wirlich so eine enormes Gefahrenpotential birgt, wo sind dann die unzähligen Gewalttäter unter den über 4,6 Millionen [2] Spielern?
Zum Thema Abstumpfung gibt es viele, sowohl positive als auch negative Studien. So hinterfragte eine vor Kurzem an der Texas A&M International University angefertigte Studie [3] einige der zum Thema Mediengewalt geführten Studien.
In Bremen (scheinbar noch unveröffentlicht, Präsentation: [4]) fand man kürzlich heraus, dass virtuelle Gewalt im Gehirn ganz anders verarbeitet wird als Reale.
Und dies sind nur zwei Beispiele. Möchte man sich wirklich eine kritische Meinung zu einem Thema bilden. So sollte man vielleicht verschiedene Standpunkte zum Thema objektiv beleuchten. Und sich nicht auf die Ergebnisse eines Instituts/Experten verlassen.

„Jeder kann sich diese Spiele heute zu Hause auf den Computer laden, ganz ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mit bekommt.“

Stimmt. Aber wenn ich mir das neuste „Killerspiel“ kaufen will, schäme ich mich auch nicht, dafür in ein Geschäft zu gehen. Dass ich trotzdem lieber im Ausland bestelle, liegt daran dass ich die Spiele ungeschnitten, und meisst sogar billiger bekomme.
Sie verkennen in dieser Aussage die Situation unserer Gesellschaft total. Niemand schämt sich diese Spiele zu spielen. Sie sind bei vielen jungen Erwachsenen einfach ein ganz normales Hobby, wie Fussball oder ein Instrument lernen. Auf Gaming is not a crime [5] haben derzeit über 10.000 Spieler gewalthaltiger Spieler ein Foto von sich hochgeladen und stellen sich öffentlich zur Schau. Dass es „nur“ 10.000 sind, liegt wohl an der mässigen Popularität der Seite.

In dem Sinne bitte ich sie, dass sie wenn sie schon eine kritische Auseinandersetzung für notwendig halten, dieses auch für sich beherzigen und die Situation nicht nur aus den Augen der Klatschpresse betrachen. Wir sind auch alles nur Menschen, die einfach gerne ihrem Hobby nachgehen möchten und denen der ganze Trubel um etwas ganz harmloses langsam ziemlich auf die Nerven geht.
Eine gute Quelle für kritische Berichterstattung bietet ihnen zum Beispiel Stigma Videospiele [6].
Ich werde sowohl diesen Brief als offenen Brief, als auch ihre Antwort in meinem eigenem Blog [7] veröffentlichen. Daher bitte ich sie auf die angesprochenen Punkte einzugehen, und mir keine Standardantwort zukommen zu lassen. Meine Leser werden es ihnen danken.

Mit freundlichen Grüssen
Roman Bruckner
https://killerspieldebatte.wordpress.com/

[1] http://www.ka-news.de/nachrichten/karlsruhe/Karlsruhe-Killerspiele-Gruene;art6066,199419
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Counter_Strike#Verkaufszahlen
[3] http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6WKR-4VP177M-1&_user=10&_rdoc=1&_fmt=&_orig=search&_sort=d&view=c&_acct=C000050221&_version=1&_urlVersion=0&_userid=10&md5=e09f8f820e2e64d896c63a21c17cb89d
[4] http://blog.zdf.de/3sat.neues/2009/04/gewalt-in-games—bremen-aggre.html
[5] http://www.gamingisnotacrime.de/
[6] http://www.stigma-videospiele.de/
[7] https://killerspieldebatte.wordpress.com/
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Counter_Strike#.C3.96ffentliche_Diskussion

Nachtrag: Eine Antwort liegt mitlerweile vor.

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8 Antworten to “Offener Brief an die Gruenen, Karlsruhe”

  1. Hybris Says:

    Bzgl Rechtschreibfehler sind mir nur 2 aufgefallen:

    – „meist“ schreibt sich mit nur einem s
    – „mäßig“ mit ß statt ss

    Sorry fürs korinthenkacken, ansonsten ist es ein wirklich super Text. Daumen hoch dafür.

  2. Jens Says:

    „Möchte man sich wirklich eine kritische Meinung zu einem Thema bilden. So sollte man vielleicht verschiedene Standpunkte zum Thema objektiv beleuchten.“

    Nebensatz und Hauptsatz trennt man mit Komma, nicht mit Punkt.

    „In Bremen (scheinbar noch unveröffentlicht, Präsentation: [4])“

    Anscheinend.

    „fand man kürzlich heraus“

    „man“ ist übelstes Weasel Wording.

    „Niemand schämt sich diese Spiele zu spielen. Sie sind bei vielen jungen Erwachsenen einfach ein ganz normales Hobby, wie Fussball oder ein Instrument lernen.“

    -> „wie Fußball oder das Erlernen eines Musikinstruments“

    „Auf Gaming is not a crime [5]“

    Den Namen quoten (Anführungszeichen oder kursiv).

    „Wir sind auch alles nur Menschen,“

    „alle“

  3. starmaniak Says:

    Hallo Roman,
    auf ka-news gab es gerade die Meldung, dass sich CDU und FDP ähnlich wie GRÜNE und BÜKA geäußert haben.
    Schreibst du denen einen ähnlichen Brief? Wäre super. Du hast den hier wie ich finde schon sehr gut verfasst.

    Gruß, Martin

    • Roman Says:

      Das ist leider mehr eine Zeitfrage, als eine Frage des wollens. Heute wird das auf jeden Fall nichts mehr. Je nachdem wie es morgen aussieht denke ich vielleicht drueber nach.
      Bin aber schon froh das ich ueberhaupt geschafft hab Zeit fuer diesen Brief zufinden. Respektive den Blog mal wieder zu aktualisieren 🙂

  4. Gordner Says:

    Doppeldaumen nach oben für diesen Text… auch wenn ich leider annehmen muss, dass er wie alle anderen fundierten und sachlichen Schriftstücke kein Gehör finden bzw. zum Nachdenken anregen wird.

    Wäre in Wahlkampfzeiten auch kontraproduktiv… sachlich korrekte und stichhaltige Argumente sind hier leider auch bei den Grünen nicht sehr gefragt :-/

  5. Patrick Czakaj Says:

    In der BNN (Karlsruher Lokalzeitung) von heute ist folgendes zu lesen: „Der CDU-Kreisvorsitzende Ingo Wellenreuther stellte klar, dass Spiele, bei denen es darum gehe, möglichst viel und möglichst grausam zu morden, mit dem Werteverständnis der CDU nicht vereinbar seien. Wellenreuther: „Veranstaltungen, die dieser Art Spiele eine Plattform bieten, haben in Karlsruhe nichts zu suchen.“

    Ich stelle klar, auch mit dem deutschen Strafgesetzbuch (§ 131) sind solche Spiele nicht vereinbar und werden in Deutschland beschlagnahmt. Auf der in Karlsruhe stattfindenden „Intel Friday Night Game“ werden Titel, wie Herr Wellenreuther sie beschreibt, nicht gespielt. Hier werden die Leser desinformiert

  6. amegas Says:

    “Jeder kann sich diese Spiele heute zu Hause auf den Computer laden, ganz ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mit bekommt.”

    Es stellt sich auch die Frage was es die Öffentlichkeit angeht ? Geht Gefahr aus von den 4.6 Millionen Gamern? Ich halte diesen Satz für das übelste was da gesagt wurde. Wollen die kontrollieren was auf den Rechner „geladen“ wird? Ich vermute wieder mit geladen kann alles gemeint sein. ich vermute sehr stark dass da mit allerdings Installiert gemeint ist !

  7. Antwort der Gruenen « Killerspieldebatte Says:

    […] der Gruenen By Roman Heute kam die Antwort zu meinem kuerzlich verfassten offenen Brief. Ich bin positiv ueberrascht, dass das so schnell ging. Und auch der Brief an sich gefiel mir sehr […]

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