BRemen Aggression INventory

Stigma Videospiele machte mich heute auf eine sehr interessante Studie aus Bremen aufmerksam. Dort stellte der Neurowissenschaftler Dr. Thorsten Fehr fest, dass beim ausueben virtueller Gewalt ganz andere Hirnregionen aktiviert werden, als beim Ausueben realer Gewalt (Praesentation der Ergebnisse). Anschliessend gab der Wissenschaftler noch ein ca 25 Minuetiges Interview, dass ich sehr interessant fand.

So sagt er, dass die Handlung im Spielen in der Regel hochgeradig fiktiv ist, weshalb sie im Gehirn anders verarbeitet wird als etwa reale Erlebnisse. Kaum jemand kann wohl die Elemente eines Call of Dutys oder eines Far Crys mit Situationen aus dem realen Leben in Verbindung bringen. Er folgert aus seinen Ergebnissen, dass somit ein gewalttaetiges Spiel einen moralisch gefestigten Menschen in keiner Weise schaden wird (schraenkt aber die Aussage soweit ein, dass diese Daten sehr neu sind und man auf Replizierung der Daten durch andere Studien warten muss). Wer allerdings in der Realitaet schon mit aehnlichen Situationen konfrontiert wurde, bei dem kann es durchaus Ueberschneidungen zwischen virtueller und realer Verarbeitung von Gewalt geben.

Er geht im Weiteren darauf ein, dass viele Vorabendserien sehr viel groessere Wirkungen auf die Persoenlichkeit der Zuschauer haben koennen, da hier gezeigt werde, wie Eiffersuchtsszenarien zu Erfolgen fuehren koennen. Und da eben Eiffersucht ein sehr alltaegliches Phaenomen ist, werden diese Szenarien sehr viel eher als reale Problemloesungsmechanismen interpretiert werden als eben das schiessen auf Gegner in einem Ego-Shooter.

Weiter gibt er eine sehr interessante Einschaetzung zur Interaktivitaet von Spielen gegenueber dem passiven Zuschauen von Filmen. Denn waehrend zum Beispiel Uwe Schuenemann sagt: „In diesen Spielen toeten sie auf Knopfdruck hilflose Menschen“ gibt Herr Fehr eine deutlich realistischere Einschaetzung: „Sie koennen in diesen Spielen nicht einfach durchrennen und ballern“, sagt er „sie muessen sich in vielen Situation auch ganz einfach zurueckziehen. Und was machen sie da? Sie hemmen ihr Toetungspotenzial“.

So koenne man Argumentieren heisst es allerdings, „Ich persoenlich tue das sehr ungern„. Er persoenlich sehe es lieber, wenn die Spieleindustrie neue und innovativere Wege gehen wuerde, um den von den Spielern gesuchten „Thrill“ zu erzeugen. Er sieht sich also nicht als Freund von Ego-Shootern, und seine Studie lieferte auch nicht die Ergebnisse, dies er erwartet hatte. Dennoch veroeffentlichte er sie und erklaert am Ende des Interviews, dass viele Studien die nicht zu den gewuenschten Ergebnissen kamen „einfach in der Schublade verschwinden„.

Er spricht noch ein paar andere interessante Punkte an, auf die ich hier nicht mehr eingehen moechte. Darum sei jedem, bei dem dieser Artikel Interesse geweckt hat empfohlen sich einfach mal 25 Minuten Zeit zu nehmen und sich das Interview in voller Laenge anzuschauen.

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